Manualtherapeutische Praxis
Yvonne Brandstädter
Kreuzstr. 17
13187 Berlin

Telefon: (030) 4 85 41 03
Fax: (030) 48 62 06 43
E-Mail: kontakt@physio-brandstaedter.de


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News

CMD – Craniomandibuläre Dysfunktion erfolgreich therapieren.

Unter einer CMD (craniomandibuläre Dysfunktion) versteht man ein vielschichtiges Krankheitsbild, das eine Fehlfunktion von Schädel ( Cranio- ) und Unterkiefer (-mandibulär ) zueinander und/oder zum Wirbelsäule-Becken-Komplex beschreibt. Als Symptome treten z.B. Kiefergelenkknacken beim Öffnen oder Kauen des Kiefers, Zähneknirschen oder Zähnezusammenpressen, abgekaute Zähne, herausgebrochene Zahnhälse, Kieferverspannungen beim morgendlichen Aufwachen, Tennisarm obwohl man gar kein Tennis spielt, Tinnitus, Ohrschmerzen, Migräne, Nackenbeschwerden bis hin zu Leistungsminderung bei Spitzensportlern auf. Aber auch Nackenverspannungen und schmerzhafte Haltungsschäden wie z.B. ein Beckenschiefstand können Symptome einer CMD sein. All diese Symptome können ein Hinweis darauf sein, dass „der Biss nicht stimmt“. Hier genügen oft schon wenige Millimeter Abweichung von der optimalen Positionierung – und es kommt in diesem hochsensiblen System zu Beeinträchtigungen und Störungen.
Die Untersuchung

Beim Verdacht auf Vorliegen einer CMD erfolgt zunächst in der Zahnarztpraxis eine umfangreiche Untersuchung der Mundhöhle, der Kiefergelenke und Kaumuskulatur (manuelle Funktionsanalyse) sowie deren Einfluss auf den Wirbelsäulen-Becken-Komplex (Meersmann Test). Modelle der aktuellen Bisssituation werden erstellt und mit einem vorläufigen – weil verspannte Kaumuskulatur – Biss in einen Kaubewegungssimulator (Artikulator) eingesetzt. Hier können die individuellen Beziehungen innerhalb der Mundhöhle analysiert werden. Gegebenenfalls werden wir Sie zusätzlich an einen anderen Spezialisten in unserem CMD-Netzwerk verweisen.
Wie wird eine CMD erfolgreich therapiert?

Behandlungserfolg in 6 Schritten:

  • Sichere Diagnose und Behandlung einer CMD
  • Computergestützte Funktionsanalyse
  • Kontrolle des Bewegungsapparates
  • Fehlstellung im Gebiss erkennen
  • Therapien für Bisslageabweichungen
  • Interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Orthopädie, Physiotherapie und Zahntechnik

Die Therapie

Die CMD Therapie erfordert eine enge Zusammenarbeit mit den Spezialisten der unterschiedlichen Fachdisziplinen: Zahnarzt, Physiotherapeut, Orthopäde, Osteopath und ggfs. auch Psychosomatiker. Die vielschichtigen Ursachen der CMD müssen dementsprechend behandelt werden.

Das Ziel der CMD Behandlung ist die Wiederherstellung des individuellen Bisses und die Harmonisierung des CMD Systems mit dem Rest des Körpers. Diese tritt im Laufe der Therapie oft wie von Selbst auf, die Therapeuten bieten mit ihren Behandlungen Hilfe zur Selbsthilfe – machen sozusagen den Weg frei – , und der Körper heilt sich selbst.

Nach einer ausführlichen Befundaufnahme wird vom Zahnarzt oft eine spezielle CMD Schiene hergestellt. Die im Kaubewegungssimulator montierten Modelle ihrer Zähne erlauben uns eine auf Ihre aktuelle Situation hin angepasste Aufbissschiene herzustellen. Jede Situation erfordert eine andere Art der Schienenherstellung.

Die Schiene soll ihre Kaumuskulatur – zu der übrigens auch Ihre Nacken- und Wirbelsäulenmuskulkatur gehört – in einen entspannten Zustand überführen: Das Kiefergelenk und Ihre Muskulatur „heilen“ sich im Endeffekt selbst – WIR (mit unserem Netzwerk in Hannover) machen den Weg dazu frei. Hierbei greifen alle Fachgebiete ineinander: Der Orthopäde oder der Physiotherpeut kann zwar durch Fehlbiss hervorgegangene Beschwerden durch Einrenken oder Massage lindern; ohne eine konsekutive Fehlbissbehandlung werden die Beschwerden jedoch bald wieder auftreten. Andererseits kann eine über eine Schienentherapie gefundene Bisslage nur dann stabil bleiben, wenn orthopädische Probleme während der Behandlung gelöst werden.

Nach erfolgreicher Schienentherapie und Neukoordinierung der Körpermuskulatur sollte die erreichte stabile Bisslage auf der Schiene durch Füllungen, Kronen oder Kieferorthopädie dauerhaft stabilisiert werden.

Kurz gesagt: Die gesamte Therapie dient der Neupositionierung des Unterkiefers mit Beseitigung der funktionellen Störungen. Erst dadurch erhalten die Kiefergelenke und die Kaumuskulatur die Möglichkeit zur Regeneration und die Wirbelsäule wird in Folge in ihrer gesamten Länge entlastet.

Fit am Schreibtisch - „unsichtbares“ Workout für Zwischendrin

Keine Chance für Nacken- und Rückenprobleme: Wer am Schreibtisch arbeitet, kann trotzdem effektive Übungen in seinen Arbeitsalltag integrieren, um Beschwerden vorzubeugen oder zu lindern. „Es gibt eine Reihe von Übungen, die kaum sichtbar und überall durchführbar sind“, sagt Ute Repschläger, Physiotherapeutin und Vorstandsvorsitzende des Bundesverbands selbstständiger Physiotherapeuten (IFK e. V.). „Schon mit einem kleinen ,Workout‘ können die wichtigsten Muskelgruppen aktiviert und trainiert werden.“

Die Schreibtischarbeit ist auf dem Vormarsch. Mehr als ein Drittel der Beschäftigten in Deutschland gehen einer Bürotätigkeit nach, das sind 14,8 Millionen Menschen, Tendenz steigend, belegt die Statistik herausgegeben vom Institut der deutschen Wirtschaft. Während der Corona-Pandemie hat sich für viele die Arbeit ins Homeoffice verlagert. Nicht immer genügt der heimische Arbeitsplatz ergonomischen Anforderungen. Umso wichtiger ist es daher, einen Ausgleich zu schaffen.

Wegen der einseitigen Belastung der Muskulatur kommt es bei der Schreibtischarbeit oft zu Schmerzen im Nacken und im Rücken. Der allgemeine Bewegungsmangel kann zudem weitere gravierende Folgen haben wie etwa Bandscheibenvorfälle oder Osteoporose und sich negativ auf das Herz-Kreislauf-System auswirken. Weitere gesundheitliche Folgen sind Bluthochdruck, Diabetes TYP 2 und Übergewicht.

„Wir Physiotherapeuten empfehlen spezielle Übungen für die Halswirbelsäule und Schultern, aber auch ein Kräftigungsprogramm für die weiteren wichtigsten Muskelgruppen“, sagt Repschläger. „Neueinsteigern“ rät sie, sich lieber ein kleines Programm vorzunehmen, das dann aber regelmäßig durchzuführen. Ein festes Zeitfenster oder auch ein gestellter Timer können an die kleine Bewegungseinheit erinnern. „Studien belegen, dass Bewegung am Arbeitsplatz positive Auswirkungen auf die Gesundheit hat“, berichtet Repschläger. „Und jeder Einzelne wird für sich feststellen, dass sich das persönliche Wohlbefinden zunehmend verbessert“, wirbt die erfahrene Physiotherapeutin für das Zwischendrin-Workout.

Übungen:

„Workout“ im Sitzen

Halswirbelsäule

Setzen Sie sich aufrecht an eine Wand, der Hinterkopf ist an der Wand angelehnt. Der Kopf macht nur eine kleine Nickbewegung, sodass ein Doppelkinn entsteht und der Hinterkopf an der Wand noch oben gleitet. Der Hinterkopf löst sich dabei nicht von der Wand. Während der Übung sollte eine Spannung im vorderen Halsbereich zu spüren sein. Die Spannung acht Sekunden halten, acht Sekunden pausieren und drei bis fünf Durchgänge ausführen. Die Übung stärkt die vordere Halsmuskulatur.

Trizeps

Oberarmstrecker: Die Unterarme parallel auf die Platte legen, Hände flach, die Finger zeigen nach vorn. Pressen Sie die Unterarme kräftig gegen die Unterlage. Die Spannung halten für mindestens acht Sekunden, dann acht Sekunden Pause. Die Übung zwei- bis dreimal wiederholen. Noch unauffälliger: Die Unterarme jeweils auf den gleichseitigen Oberschenkel legen.

Bizeps

„Stille Denkerpose“: Beugen Sie den rechten Arm vor dem Körper, Ober- und Unterarm bilden etwa einen 90-Grad-Winkel. Legen Sie die linke Hand von oben in die rechte und drücke beide mindestens acht Sekunden lang kräftig gegen einander. Auf der anderen Seite wiederholen. Zwei bis drei Durchgänge pro Seite.

Schulter

Setzen Sie sich in einen Stuhl mit Armlehnen. Legen Sie die Unterarme von innen dagegen. Drücken Sie die Arme nun kräftig zur Seite beziehungsweise gegen die Lehnen. Spannungsposition acht Sekunden halten, ebenso lange pausieren. Zweimal wiederholen.

Dehnung Brustbereich

Verschränken Sie die Arme hinter dem Kopf, die Ellenbogen zeigen nach außen, und lehnen Sie sich im Bürostuhl nach hinten. Tief ein und ausatmen, es sollte eine Dehnung in der Brust zu spüren sein.

Adduktoren

Training der Schenkelinnenseiten: Nehmen Sie Ihre Aktentasche, ein Telefonbuch oder einfach nur beide Fäuste und klemmen Sie sie zwischen die Oberschenkel. Pressen Sie nun die Oberschenkel kräftig zusammen. Die Spannung acht Sekunden halten. Dann kurz entspannen und zweimal wiederholen.

Workout im Stehen

Zehenstand

Stellen Sie sich aufrecht hinter den Bürostuhl, halten sich an der Rückenlehne fest und drücken sich auf die Zehenspitzen hoch. Das ist auch in der Küche zum Beispiel beim Warten auf Teewasser oder am Kopierer möglich.

Diese Übung kräftigt die Wadenmuskulatur, beeinflusst den venösen Rückfluss und aktiviert den gesamten Organismus.

Kniebeugen

Die Beine werden Hüftbreit auseinandergestellt, das Gesäß geht nach hinten unten, so als wenn man sich auf einen Stuhl setzen möchte. Bei Kniebeugen und Zehenstand sollten die Muskeln „brennen“, also ordentlich belastet werden, um den größten Effekt zu haben.

Po

Durch ständiges Sitzen werden die Gesäßmuskeln nur wenig beansprucht. Als Übung kann man sich vorstellen, mit den Gesäßhälften eine Münze festhalten zu wollen: Beide Pobacken acht Sekunden lang fest zusammenkneifen und acht Sekunden entspannen. Diese Übung lässt sich mehrmals täglich durchführen.

…und einige weitere Tipps

Gehen

Wer einen Bürojob hat, kommt häufig nicht mal auf 2.000 Schritte täglich, empfohlen werden jedoch mindestens 10.000 Schritte täglich. Nutzen Sie den Weg zur Arbeit: Mit dem Rad fahren oder wenn möglich zu Fuß gehen. Stellen Sie sich beim Telefonieren hin oder gehen mal auf und ab.

Atemübungen

Atemübungen können Stress abbauen und Verspannungen lösen. Oft atmen wir nur in einen Teil der Lunge. Sinnvoll ist es, das ganze Zwerchfell zu benutzen. Das tiefe Ein- und Ausatmen kann durch eine Kontaktatmung verinnerlicht werden. Legen Sie dazu eine Hand auf den Brustkorb und eine Hand auf den Bauch. Atmen Sie tief ein, dabei spüren Sie, wie sich der Abstand der beiden Hände zueinander vergrößert. Beim Ausatmen wird der Abstand der beiden Hände automatisch wieder kleiner. Mehrmals tief ein- und ausatmen, zur Entspannung die Ausatmungsphase verlängern.

Ergotherapeut:innen melden Erfolge bei der Behandlung von Long Covid

Die Entwicklungen rund um das Corona-Virus wie etwa die als Long Covid bezeichneten Langzeitfolgen von COVID-19 stellen Forschende und Behandelnde immer wieder vor neue Aufgaben und Hürden. Ein Lichtblick im Dschungel der Fragen und Fragezeichen ist die Berufsgruppe der Ergotherapeut:innen. „Unsere Konzepte und Vorgehensweisen sind unabhängig vom Krankheitsbild oder der Ursache von Schwierigkeiten“, verdeutlicht Miriam Leventic, Ergotherapeutin im DVE (Deutscher Verband Ergotherapie e.V.), weshalb sie und ihre Berufskolleg:innen eine zentrale Rolle für an COVID-19 oder Long Covid-Erkrankte spielen. Das erkennt mittlerweile auch die Kassenärztliche Bundesvereinigung an: Sie hat sich mit dem Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenkassen darauf verständigt, dass Ärzte bei der Diagnose ‚Post Covid-19‘, kurz Long Covid, Ergotherapie budgetneutral verordnen dürfen – und zwar über den besonderen Verordnungsbedarf!

Für die meisten an COVID-19-Erkrankten gilt nach wie vor: Sie werden vollständig genesen. Auch für diejenigen, die die Krankheit noch nicht überwunden haben und an Long Covid leiden, verbessern sich die Aussichten zunehmend. In interdisziplinärer Zusammenarbeit begleiten Physio- und Ergotherapeut:innen diese Erkrankten, um ihnen wieder einen Alltag mit mehr Lebensqualität zu ermöglichen. Diesen Ansatz unterstützt die Kassenärztliche Vereinigung, indem sie mehr Ergo- und mehr Physiotherapie gestattet: Ärzte dürfen seit 1. Juli 2021 häufiger beide Therapieformen verordnen, ohne dadurch ihr Budget zu belasten. Die Kosten für diese Leistungen werden aus dem Verordnungsvolumen herausgerechnet.
Ergotherapeutische Psychoedukation Es sind vor allem junge und jüngere Menschen zwischen zwanzig und vierzig, die die Ergotherapeutin Miriam Leventic nach einem leichten bis mittelschweren Verlauf von COVID-19 in ihrer Praxis therapiert. Sie kommen wegen Schwierigkeiten wie Kurzatmigkeit, wenig Ausdauer, körperliche Schwäche. Allerdings treten diese Symptome bei ganz alltäglichen Aktivitäten wie Treppe steigen, den Haushalt machen, Spazierengehen und Ähnlichem auf. „Ein zentrales Thema bei dieser Patientengruppe sind Ängste; ihnen diese zu nehmen, etwa durch Psychoedukation, ist in der Zeit der Pandemie eine der ersten Aufgaben“, findet die Ergotherapeutin Leventic. Die Ängste dieser meist jungen Menschen kann die Ergotherapeutin gut nachvollziehen: körperlich derart erschöpft zu sein, macht Angst. Angst vor jeder Bewegung und Aktivität, die den ohnehin geschwächten Energiehaushalt weiter belastet. Viele haben auch Angst vor der Krankheit an sich. „Mit COVID-19 geht einerseits noch immer ein großes Unwissen einher. Andererseits werden alle von den nicht enden wollenden Meldungen aus teils unseriösen Quellen überflutet“, sagt Leventic. Sie informiert daher ihre Long Covid-Patient:innen sachlich und fachlich, weist auf vernünftige Informationsquellen hin, weiß über aktuelle Studienergebnisse Bescheid oder erklärt den Betroffenen beispielsweise, dass Langzeitfolgen auch von anderen Viruserkrankungen bekannt sind.
Ergotherapeutisches Drei-P-Prinzip Dadurch setzt sie bei ihren Patient:innen neue Impulse im Umgang mit ihrer Erkrankung an Long Covid. Ebenso sind die Zielsetzungen, die bei jüngeren Menschen beispielsweise ‚arbeitsfähig sein‘ ‚Kinder versorgen‘ oder ‚Sport treiben‘ lauten, Motivation, um sowohl Ängste loszulassen als auch nötige Änderungen des bisherigen Alltags herbeizuführen und zu akzeptieren. Um den Status quo analysieren zu können, lässt die Ergotherapeutin ihre Patient:innen zunächst ein Energietagebuch führen. Die Patient:innen halten darin fest, welche Aktivitäten sie wie lange ausüben und wie sich das auf den Energiehaushalt auswirkt. Auf dieser Grundlage geht es an die Veränderung und Neuplanung des Alltags. Leventic nennt ihr folgendes Vorgehen das Drei-P-Prinzip: Priorisieren, Planen, Pacing. Pacing ist eine wissenschaftlich anerkannte Methode, die beispielsweise in der Schmerztherapie zum Einsatz kommt und mit deren Hilfe Patient:innen lernen, ihre Belastungsgrenze zu erkennen und dann sukzessive auszudehnen. Der feine Unterschied: Schmerz ist ein eindeutiges Signal. Eine sich anbahnende Erschöpfung wahrzunehmen, erfordert mehr Feingefühl, was die Betroffenen im Rahmen der ergotherapeutischen Intervention lernen.
Schritt eins: Priorisieren Zunächst begutachten Patient:in und Ergotherapeut:in die Aktivitäten, die im Energietagebuch aufgeführt sind. Sie werden beurteilt und entsprechend ihrer Bedeutung für diejenige Person in eine Rangfolge gebracht. Aktivitäten, die der- beziehungsweise demjenigen besonders wichtig sind, stehen auf der Prioritätenliste oben. Aktivitäten mit weniger großem Stellenwert rutschen nach unten. Patient:in und Ergotherapeut:in legen gemeinsam fest: welche Aktivitäten lassen sich delegieren? Und welche Personen aus dem Umfeld können welche Aufgaben übernehmen? Gibt es Aktivitäten, bei denen sich die Frequenz herabsetzen lässt oder die ganz entfallen können? Umdenken ist das Zauberwort – denn Hilfe oder Hilfsmittel annehmen ist in diesem Fall kein Zeichen von Schwäche, sondern die einzige Chance, den eigenen Energiehaushalt langfristig wieder zu stärken. Die Patient:innen erfahren und erleben selbst: unterlassen oder verkürzen sie Aktivitäten vom unteren Ende der Prioritätenliste, gewinnen sie durch Aktivitäten, die ihnen viel bedeuten, Lebensfreude und Lebensqualität. Sie tanken auf – der Motor ‚Eigenmotivation‘ ist gestartet.
Schritte zwei und drei: Planung und Pacing Planung im Kontext der ergotherapeutischen Intervention bei Long Covid ist ein äußerst dynamischer Prozess, der einer ständigen Beurteilung und Überarbeitung bedarf. Das Problem der Patient:innen mit Long Covid ist, dass – überlasten sie sich –sie zu große Rückschläge erleiden und sich die Symptome wieder verstärken; die Belastungsintoleranz kehrt zurück. Damit es nicht dazu kommt, setzen Ergotherapet:innen Pacing ein. Sie leiten ihre Patient:innen so an, dass diese das erforderliche Feingefühl entwickeln, um Aktivitäten bis kurz vor die Belastungsgrenze auszuführen. Als Hilfsmittel erhalten Patient:innen mit Kurzatmigkeit hierzu in der Physiotherapie, die Teil der interdisziplinären Behandlung bei Long Covid ist, anfangs ein Oxymeter. Dieses Gerät zeigt die Sauerstoffsättigung an. Part der Ergotherapeut:innen ist es, den Einsatz des Oxymeters bei den verschiedenen Aktivitäten mit den Patient:innen zu üben. Der Blick auf das Oxymeter und das mit den jeweils angezeigten Werten einhergehende Befinden verinnerlicht sich mit jedem Mal stärker: Verschlechtern sich die angezeigten Werte oder nimmt die Person die sich anbahnende Erschöpfung selbst wahr, ist es Zeit, innezuhalten und eine zweiminütige Pause zum Regenerieren einzulegen. Oder die Aktivität ganz zu beenden. Durch diese Form des Intervalltrainings lernen die Patient:innen immer besser, sowohl auf das eigene Körpergefühl zu achten, als auch die gesamte Dauer einzelner Aktivitäten kontinuierlich auszudehnen, ohne in die Erschöpfung zu geraten.
Neuer Blickwinkel für an Long Covid-Erkrankte Um die Energie zusätzlich weiter zu verstärken, nutzen Ergotherapeut:innen die Regenerationspausen, füllen sie beispielsweise mit kleinen Achtsamkeitsübung. Der Mini-Aktivitäten-Ansatz, die Idee von zwei Schweizer Ergotherapeutinnen, bietet eine Fülle von Vorschlägen für 30-Sekunden Gut-Tu-Aktivitäten. Gute-Laune-Musik, der Duft des Lieblingsduschmittels oder Fenster öffnen, frische Luft einatmen, ins Grüne schauen sind echte Energie-Booster und versetzen Patient:innen in die richtige Stimmung, um ihr Alltagstraining motiviert fortzusetzen. Durch die Summe aller ineinandergreifenden Maßnahmen, die den an Long Covid-Erkrankten mit der Zeit in Fleisch und Blut übergehen, erhalten sie einen neuen Blick auf ihren Alltag und auf das Leben mit ihrer Erkrankung. Das interdisziplinär verzahnte Arbeiten auf unterschiedlichen Ebenen verstärkt die positive Wirkung und trägt dazu bei, dass sich die gesundheitliche und psychische Situation dieser Personen langfristig verbessert.

Informationsmaterial zu den vielfältigen Themen der Ergotherapie gibt es bei den Ergotherapeut:innen vor Ort; Ergotherapeut:innen in Wohnortnähe auf der Homepage des Verbandes unter https://dve.info/service/therapeutensuche

22.07.2021 DGA | Quelle: Deutscher Verband Ergotherapie e.V.

Kniearthrose: Wann kommt ein Gelenkersatz infrage?

Das IQWiG hat im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) eine Entscheidungshilfe zu Gelenkersatzoperationen bei Kniegelenkarthrose erstellt. Diese soll Betroffene dabei unterstützen, sich gemeinsam mit ihrer Ärztin bzw. ihrem Arzt für oder gegen bestimmte Behandlungsoptionen bei Kniegelenkarthrose zu entscheiden. Die Entscheidungshilfe ist Teil des gesetzlich festgelegten Zweitmeinungsverfahrens: Bei vielen Krankheiten gibt es mehr als eine Behandlungsmöglichkeit. Oft ist aber keine der Alternativen ideal, jede hat ihre Vor- und Nachteile. Dann hängt es stark von der persönlichen Situation und den eigenen Wünschen ab, was die beste Wahl ist. Einen zweiten Arzt zu befragen, kann bei der Entscheidung helfen. Seit 2015 haben gesetzlich Krankenversicherte Anspruch auf das Einholen einer ärztlichen Zweitmeinung bei festgelegten planbaren Operationen.

2019: 194.000 Kniegelenkersatz-Operationen

Es ist nicht genau bekannt, wie viele Menschen eine Kniearthrose haben. In Deutschland geben etwa vier Prozent aller Erwachsenen an, von einer ärztlich behandelten Kniearthrose betroffen zu sein. Die Häufigkeit nimmt mit dem Alter zu und steigt etwa ab dem 40. Lebensjahr stetig an.
Die Zahl der Kniegelenkersatz-Operationen steigt in Deutschland seit 2013 kontinuierlich an, im Jahr 2019 wurden bundesweit knapp 194.000 Implantationen durchgeführt. Dabei werden die Operierten immer jünger. Auffallend ist auch, dass die Operationshäufigkeiten je nach Wohnort sehr unterschiedlich sind. Kniearthrose kann unterschiedlich verlaufen, wobei die Beschwerden meist über viele Jahre eher langsam zunehmen oder sogar stabil bleiben. Kniearthrose kann aber auch in Schüben auftreten – dann wechseln sich Phasen stärkerer Beschwerden mit beschwerdefreien oder beschwerdearmen Phasen ab. Nur bei einem kleinen Teil der Menschen mit Kniearthrose sind die Beschwerden irgendwann so stark, dass sie sich für einen Eingriff entscheiden.
Heilen lässt sich Arthrose nicht. Es gibt aber verschiedene Möglichkeiten, die Beschwerden zu lindern. Ein wichtiger Baustein der konservativen (= nicht operativen) Therapie ist die Bewegungstherapie, weil gut ausgebildete Muskeln das Kniegelenk stabilisieren und schützen. Zudem erreichen die Nährstoffe aus der Gelenkflüssigkeit den Knorpel nur durch Druck – etwa beim Gehen oder gezielten Training. Die Bewegungstherapie kann je nach Bedarf durch weitere Behandlungsoptionen wie u. a. Schmerztherapie, Gewichtsreduktion oder Hilfsmittel (Schuheinlagen, Kniebandagen oder -schienen) ergänzt werden.
Ein Gelenkersatz kommt infrage, wenn über mehrere Monate starken Schmerzen bestehen, die die Lebensqualität beeinträchtigen – und wenn eine konservative Therapie die Beschwerden nicht ausreichend lindern kann. Bei dieser Operation wird das natürliche Kniegelenk ganz oder teilweise durch eine Prothese aus Metall und Kunststoff ersetzt.

Entscheidungshilfe des IQWiG

Die jetzt vorgelegte Entscheidungshilfe des IQWiG beschreibt die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten bei Kniearthrose. Sie unterstützt Patientinnen und Patienten bei der Entscheidung zwischen Kniegelenkersatzoperation und konservativen Therapien.
„Ein Gelenkersatz kann fortgeschrittene Kniearthrose bei den meisten Betroffenen sehr wirksam lindern – aber natürlich hat so ein großer Eingriff auch Risiken. Zudem wissen wir aus Studien, dass eine gute konservative Behandlung helfen kann, eine Operation mehrere Jahre hinauszuzögern oder sogar ganz zu vermeiden. Unsere Entscheidungshilfe soll die wichtigsten Alternativen aufzeigen und das ausführliche Gespräch mit der behandelnden Ärztin bzw. dem behandelnden Arzt unterstützen“, betont Roland Büchter aus dem IQWiG-Ressort Gesundheitsinformation.

Ergänzende Informationen zu Nachoperationen

Etwa fünf bis zehn Prozent der eingesetzten künstlichen Kniegelenke werden innerhalb von zehn Jahren nachoperiert. Dabei lässt sich auch die Frage, ob bei Problemen mit der Prothese wirklich ein zweiter Eingriff nötig ist, nicht immer leicht beantworten. Daher gibt es für die Nachoperation ebenfalls das Recht auf eine zweite Meinung.
Für diese Situation hat das IQWiG in der Rubrik „Mehr Wissen“ auf gesundheitsinformation.de einen eigenen Text mit dem Titel „Probleme mit der Knieprothese: Wann ist eine Nachoperation nötig?“ erstellt, das ausführlich beschreibt, wann eine Nachoperation tatsächlich notwendig ist oder doch vermieden werden könnte.

Wie läuft das Zweitmeinungsverfahren ab?

Die Entscheidungshilfe ist ein Baustein des seit 2015 gesetzlich festgelegten Zweitmeinungsverfahrens. Das bedeutet: Eine Ärztin oder ein Arzt, die/der einen planbaren Eingriff empfiehlt, muss die Betroffenen auf ihr Recht hinweisen, diese Behandlungsentscheidung noch einmal kostenfrei mit Spezialisten einer anderen Praxis oder Klinik besprechen zu können.
Für welche planbaren Eingriffe das Zweitmeinungsverfahren gilt, entscheidet der G-BA. Bislang besteht ein vom G-BA geregelter Zweitmeinungsanspruch bei Operationen an den Gaumen- und/oder Rachenmandeln (Tonsillektomien, Tonsillotomien), bei Gebärmutterentfernungen (Hysterektomien), arthroskopischen Eingriffen am Schultergelenk und bei Amputationen beim Diabetischen Fußsyndrom.

Zum Projektverlauf

Der G-BA hatte das Institut am 15. Oktober 2020 mit der Erstellung der Entscheidungshilfe zu Gelenkersatzoperationen bei Kniearthrose beauftragt.
Die Entscheidungshilfe wurde nach den Allgemeinen Methoden des IQWiG erstellt und hat eine Nutzertestung und Stellungnahme durchlaufen. Sie wird auf der IQWiG-Website gesundheitsinformation.de veröffentlicht und im Rahmen der üblichen Aktualisierung spätestens nach drei Jahren auf Aktualität überprüft und bei Bedarf angepasst.

Weitere Informationen

Das IQWiG hat in früheren Aufträgen bereits Entscheidungshilfen zu Gebärmutterentfernung, Mandeloperation, Schultereingriffen und zu Amputationen beim diabetischen Fußsyndrom erstellt.
Diese Entscheidungshilfen sind auf der Website gesundheitsinformation.de in umfassende Themenpakete zu den jeweiligen Erkrankungen eingebunden. Die Entscheidungshilfen lassen sich dort als PDF herunterladen und kostenfrei in beliebiger Menge ausdrucken.



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Airflow-Geräte

Pulver-Strahl-Geräte, mittels derer Verfärbungen an den sichtbaren Zahnflächen entfernt werden können, ohne dass der Zahnschmelz angegriffen wird.